weitere Einschränkungen beim Tracking
Google hat erneut verkündet, einzelne Nutzer in Zukunft nicht mehr zu tracken. In der Folge wird den Usern nicht mehr im ganzen Internet personalisierte Werbung angezeigt. (Foto von Scott Webb von Pexels)

Google: Kein Tracking und keine personalisierte Werbung mehr

Auf seinem Blog, in einem Beitrag mit der Überschrift “Auf dem Weg zu einem datenschutzfreundlicheren Web” hat Google mit großen Worten verkündet, zukünftig mehr für den Schutz der Privatsphäre im Internet zu tun:

Um das Internet offen und zugänglich für alle zu halten, müssen wir alle mehr für den Schutz der Privatsphäre tun – und das bedeutet nicht nur ein Ende der Cookies von Drittanbietern, sondern auch jeglicher Technologie, die dazu verwendet wird, einzelne Personen zu verfolgen, während sie im Internet surfen.

David Temkin, Director of Product Management, Ads Privacy and Trust, auf blog.google

Datenschutz sells

spiegel.de findet es bemerkenswert, dass die Mitteilung ohne einen konkreten Anlass veröffentlicht wurde und vermutet, dass Google mit der Ankündigung anderen Firmen zuvorkommen will. Viele Konkurrenten werben mit Datenschutz und Privatsphäre. Zum Beispiel hat Firefox, ein direkter Konkurrent von Google Chrome, einen vollständigen Cookie-Schutz eingeführt.

Neben der Absicht sich gegenüber der Konkurrenz mit mehr Privatsphäre und Datenschutz zu behaupten, will Google vermutlich auch ein Zeichen an die Politiker und Wettbewerbshüter dieser Welt senden. In letzter Zeit stand Google häufig in der Kritik. Zur Demonstration eine kleine Auswahl unserer Beiträge aus den letzten Monaten:

Die Schlagzeilen, dass Google die personalisierte Werbung einstellt, lesen sich im Vergleich dazu äußert positiv.

Die Alternative zum personalisierten Tracking mit Third-Party-Cookies sind “Federated Learning of Cohorts” – kurz FLoC. Dabei werden Zielgruppen mit gleichen Interessen gebildet. Werbetreibende können ihre Anzeigen an diese Gruppen adressieren. Die Daten aus denen diese Interessengruppen gebildet werden stammen nicht aus Cookies, die in den Browsern der Nutzer gespeichert sind.

Interne Berechnungen und Tests von Google haben ergeben, dass Werbetreibende mit Anzeigen im FLoC-System bis zu 95% der Erfolge erzielen können, die sie mit personalisierten Werbeanzeigen eingefahren haben. Wie gute die Performance der Anzeigen wirklich ist, wird sich herausstellen. Es könnte aber durchaus sein, dass die Anzeigen ähnlich erfolgreich sind wie die personalisierten Vorgänger. tagesschau.de beziffert die Werbeeinnahmen von Google auf 292 Milliarden US-Dollar. Dementsprechend groß dürfte das Bestreben von Google sein, das Niveau der Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft mit Werbetreibenden mindestens zu halten. Und dafür müssen die neuen Anzeigen genauso rentabel sein wie die bisher durch Tracking zielgerichtet platzierten Ads. Manche Experten sind in dieser Hinsicht guter Dinge:

„Das ist sehr positiv im Hinblick auf Datenschutz und Privatsphäre, das heißt aber nicht, dass die Werbung von Google weniger zielgerichtet sein wird“

Frederike Kaltheuner, European AI Fund, deutschlandfunk.de

Wir haben bereits im Januar ausführlich über die Cookie-Alternative FLoC berichtet.

First-Party-Cookies vs. Third-Party-Cookies

Was sind First-Party Cookies?

First-Party Cookies werden vom Betreiber einer Website eingesetzt. Die Daten werden auf den Endgeräten der Seitenbesucher gespeichert. Dadurch wird der User beim nächsten Besuch auf der Website wiedererkannt.

Dafür werden First-Party-Cookies eingesetzt

  • technische Notwendige Cookies: z.B. bei zur Speicherung des Warenkorbs bei Online Shops
  • Performance Cookies: Messung der Ladezeiten oder des Verhaltens der Seitenbesucher
  • funktionale Cookies: z.B. bei Streamingdiensten um zu speichern, wo ein Nutzer seine Serie pausiert
  • Werbe Cookies: Cookies zur Personalisierung von Werbung basierend auf seinem Einkaufs- und Surfverhaltens auf der Seite

Was sind Third-Party Cookies?

Third-Party Cookies werden von Dritten auf Internetseiten platziert, die dort Werbung schalten. Sie werden im Browser der Seitenbesucher gespeichert. Das führt dazu, dass man wiedererkannt wird, wenn man auf einer anderen Seite landet, auf der ein Werbetreibender ebenfalls aktiv ist.

Dafür werden First-Party-Cookies eingesetzt

  • Analyse des Surfverhaltens eines Users
    • Mit welchen Links springt der User durchs Netz
    • Welche Seiten ruft er wie oft auf
    • Wie lange verweilt er auf den Seiten
  • Erstellung von Nutzerprofilen
    • Dafür werden die Daten teilweise ausgetauscht oder verkauft
  • Anzeige von personalisierter Werbung basierend auf den gesammelten Daten

Quelle: Was ist der Unterschied zwischen First Party-Cookies und Third Party-Cookies?

First-Party-Daten rücken immer mehr in den Fokus

Temkin betont in Richtung der Werbetreibenden, dass Google sich stärker auf Lösungen fokussiert, mit denen die Daten aus First-Party-Beziehungen für Werbung genutzt werden können:

Der Aufbau starker Kundenbeziehungen war für Marken schon immer entscheidend, um ein erfolgreiches Geschäft aufzubauen. In einer Welt, in der der Datenschutz im Vordergrund steht, wird das noch wichtiger.

Wir werden weiterhin First-Party-Beziehungen auf unseren Werbeplattformen für Partner unterstützen, bei denen sie direkte Verbindungen zu ihren Kunden haben.

Und wir werden unsere Unterstützung für Lösungen vertiefen, die auf diesen direkten Beziehungen zwischen Verbrauchern und den Marken und Publishern, mit denen sie in Kontakt treten, aufbauen.

Wir berichteten Anfang des Jahres in Berufung auf den Customer Engagement Report von Merkle, dass First-Party-Daten bei Werbetreibenden Unternehmen zur Priorität werden.

Man darf gespannt sein, ob die Bemühungen von Google im Bereich Datenschutz und Privatsphäre gut bei den Usern ankommen. Und ob das neue Anzeigensystem für Werbetreibende rentabel ist.

Bleibt der größte Anteil beider Gruppen dem Suchmaschinengiganten weiterhin treu? Oder verliert Google eines Tages größere Marktanteile sowohl bei den Verbrauchern als auch bei den werbenden Unternehmen? Und wenn das der Fall sein sollte, wie ist der Konkurrent der die Anteile gewinnt in Sachen Privatsphäre, Datenschutz und Werbemöglichkeiten aufgestellt? Wir werden sehen. Es bleibt jedenfalls spannend, wie sich das Internet und seine größte Suchmaschine in Zukunft entwickeln werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

jetzt den KLICK.NEWS Newsletter abonnieren

Und wir halten Dich immer auf dem aktuellen Stand!

Diese Beiträge könnten Dich auch interessieren:

Google Chrome: URLs werden in Zukunft gekürzt

Google startet mal wieder einen Angriff auf die URL-Leiste. Der Browser Chrome 85 versteckt vollständige URLs – nur der Domain-Name bleibt bestehen. Was genau die Intention von Google ist bleibt offen. Nach eigenen Aussagen seien ungekürzte URLs für viele User “zu kompliziert”.

Google Core Update Dezember 2020: Gewinner & Verlierer

Am 03. Dezember war es so weit: ein neues Google Core Update wurde ausgerollt! Es lassen sich bereits Auswirkungen der jüngsten Aktualisierungen beobachten. Lily Ray von Path interactive hat nun einige Daten für die USA analysiert und zusammengetragen.

Google Rankingfaktoren 2021 – diesen Fokus müssen Unternehmen jetzt setzen

Nichts ist so stetig wie die Veränderung. Wie verändern die Core Web Vitals und E-A-T die Rankings bei Google? Und was wird aus AMP, wenn ab 2021 auch Nicht-AMP-Seiten als Top Stories bei Google angezeigt werden? SEO-Experte Aleh Barysevich hat bei searchenginewatch.com seine Einschätzung dazu veröffentlicht. Wir fassen zusammen, packen unsere Expertise dazu und geben einen Ausblick auf 2021. Dem CLS – Cumulative Layout Shift (einer der 3 Core Web Vitals) – und E-A-T schenken wir dabei besondere Beachtung.

Joinclubhouse – Clubhouse App sorgt für Riesenhype

Seit einigen Tagen ist der Clubhouse Hype auch in Deutschland angekommen: die neue Plattform, die nur via Iphone bzw. IOS genutzt werden kann, stellt Audio-Chaträume zur Verfügung, die die Nutzer jederzeit kostenlos eröffnen können. Und damit springen die Entwickler nicht nur in eine Lücke im Umfeld der Social Media Plattformen, sondern nutzen auch die aktuelle Pandemie als Treiber für den Community-Aufbau.