Bing will in Australien Marktanteile erobern
Australien: Nachdem Google & Facebook mit Rückzug gedroht haben, wirft BING seinen Hut in den Ring. In einem “sehr informativen Gespräch” mit der australischen Regierung hat der CEO von Mircosoft angeboten, Google durch die eigene Suchmaschine BING zu ersetzen. Foto von Artem Beliaikin von Pexels

Neue Entwicklungen in Australien

In Australien sollen Google & Facebook per Gesetz dazu verpflichtet werden, Nachrichtenverlage für die Anzeige bzw. Verlinkung ihrer Inhalte zu bezahlen. Mel Silva, die Geschäftsführerin von Google Australien, hat in einer Senatsanhörung am 22. Januar damit gedroht, dass Google seine Dienste aus dem Land zurückzieht. Die Drohung wurde durch eine Videobotschaft & einen offenen Brief bekräftigt.

Facebook hat eine ähnliche Drohung ausgesprochen und erklärt, dass es keinen kommerziellen Nutzen für die Anzeige von Nachrichteninhalten in seinen Feeds gibt.

Die australische Regierung bleibt cool

In der Folge hat sich die australische Regierung unbeeindruckt gezeigt:

“Mit der Drohung, sich aus Australien zurückzuziehen, haben sich die digitalen Giganten letzte Woche einen großen Bärendienst erwiesen.”

Zitat eines Regierungssprechers, Quelle: searchenginejournal.com

Australiens Kommunikationsminister Paul Fletcher hat sich ebenfalls zu den Äußerungen von Google und Facebook zum Rückzug ihrer Dienste geäußert:

“Wir haben deutlich gemacht, dass wir einen Verbleib in Australien bevorzugen würden. Sie sind ein wichtiger, signifikanter Teil des Ökosystems, aber letztendlich sind das Geschäftsentscheidungen.”

BING will Google in Australien gegebenenfalls ersetzen

BING verarbeitet momentan 3,62% aller Suchanfragen in Down Under. Nun hat Microsoft den Braten gerochen & das Gespräch mit Scott Morrison, dem australischen Premierminister, gesucht. Paul Fletcher lässt durchblicken, wie die Zusammenkunft abgelaufen ist:

“Der Microsoft-CEO wandte sich an den Premierminister und schlug ein Treffen vor, begleitet von hochrangigen Führungskräften. Ich habe an diesem Treffen teilgenommen. Wir hatten eine sehr informative Diskussion über das Interesse von Microsoft am australischen Markt. Sie sind daran interessiert Ihren momentan kleinen Marktanteil auszubauen & die Präsenz von BING in Australien zu entwickeln.”

Der Premierminister bezeichnete BING als “ziemlich überzeugend” & kommentierte die Sache nicht weiter.

Das umstrittene Gesetz soll die Marktmacht von Google & Facebook im Zaum halten

Eine Sprecherin von Microsoft äußerte sich ebenfalls:

“Wir erkennen die Bedeutung eines lebendigen Mediensektors und des Journalismus im öffentlichen Interesse einer Demokratie an. Wir sehen die Herausforderungen, denen sich der Mediensektor über viele Jahre hinweg durch sich verändernde Geschäftsmodelle & Verbraucherpräferenzen stellen musste.”

Doch Microsoft hat leicht reden: Laut searchenginejournal.com ist BING nicht von den neuen gesetzlichen Regelungen betroffen. Der News Media Bargaining Code soll wohl die Marktmacht von Google & Facebook einschränken. Denn australische Regulierungsbehörden fanden heraus, dass von 100 Dollar, die für digitale Werbung ausgegeben werden, 53 Dollar an Google gehen. 28 Dollar fließen Facebook zu und nur 19 Dollar anderen Unternehmen.

Chefsache: “konstruktives” Gespräch zwischen Sundar Pichai & Scott Morrison

Google setzt in Australien 4,9 Milliarden Dollar um, davon 4,3 Milliarden Dollar mit Werbung. Dagegen kämpfen viele australische Verlage darum, Geld zu verdienen. Das Unternehmen zahlte im vergangenen Jahr nur 59 Millionen Dollar an australischer Körperschaftssteuer. Nun berichtet die Daily Mail, dass Google zurückgerudert hat. Sundar Pichai macht die Angelegenheit zur Chefsache & suchte ebenfalls das Gespräch mit Scott Morrison.

Inzwischen hat Google seine Drohung, Australien zu verlassen, weitgehend zurückgenommen.

Annäherung zwischen Google & Australien

Die Drohung bleibt bestehen, aber die Lage hat sich entspannt. Die Videobotschaft von Mel Silva wurde aus den australischen SERPs entfernt. Scott Morrison sagte, dass ein Rückzug von Google aus Australien nach dem Gespräch weniger wahrscheinlich sei:

“Es war ein konstruktives Gespräch. Ich habe positive Signale gesendet die Google ermutigen sollen, sich auf den Prozess einzulassen & sich mit den verschiedenen Nachrichtenorganisationen zu einigen. Das ist der beste Weg, um diese Angelegenheit zu regeln. Wir haben einige Details des Gesetzesentwurf diskutiert.”

Auch Google hat die Gespräche als konstruktiv bezeichnet.

To be continued…

Es bleibt spannend:

  • Wie wird das Gesetz letztendlich aussehen?
  • Wer wird in welcher Form reglementiert?
  • Wie verändert der australische Präzedenzfall die Gesetzgebung von anderen Ländern im Bezug auf das Internet & Tech Konzerne?
  • Ziehen sich Google & Facebook wirklich aus Australien zurück?
  • Kann BING in Googles Fußstapfen treten oder gar neue Wege einschlagen & mit neuen Lösungen punkten?
  • Wird ein eventuell viel größerer Markanteil von BING in Down Under die Marktanteile der Suchmaschinen weltweit verändert?

Wir werden sehen.

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